13 Mai 2012

Ein neuer Markt im Windschatten der Urheberrechtsdebatte

Nach den Reaktionen auf Sven Regeners BR-Interview hat die öffentliche Diskussion um das Urheberrecht mit wir-sind-die-urheber.de einen neuen Tiefpunkt erreicht. Dass Menschen, die zum größten Teil mit Texten ihr Geld verdienen, ihre Unterschrift unter ein solches Pamphlet setzen, lässt echte Verzweiflung vermuten. Auch wenn das Urheberrecht (zumindest in juristischer Theorie) eine stabile Position ist, so wird die traditionelle Rechteverwertung nach und nach von der Realität überholt. Von Filesharing, alternativen Vertriebswege oder jenen Künstlern, die dem alten Markt den Rücken zukehren und Ihr Geld mit direkter Leistung (Performance) verdienen.

Die Lager scheinen klar: Der Schaffende, der Konsumierende und dazwischen der Markt. Der Schaffende fordert hier Geld für eine erbrachte Leistung, die mancher Konsument nicht mehr bezahlen will. Am Beispiel Musik: Früher war die Musikindustrie der Weg zum Künstler. Ohne Plattenfirmen keine Studioaufnahmen, ohne Aufnahmen keine Platten - ohne Platten keine Musik. Der Konsument war also angewiesen auf stabile Marktstrukturen. Die waren zwar teuer, aber verlässlich. Heute steht der Markt fast störend zwischen Künstler und Konsument. "Ja, aber ohne Markt, keine Kunst"? Glaube ich nicht. Abgesehen davon, besteht ein Großteil dieses Marktes aus einem reinen Kopier- und Verteilernetzwerk, das immer weniger Menschen benötigen.

Das Hamburger Schauspielhaus erwirtschaftet etwa ein Viertel seiner Kosten selbst, Theater ist schon lange ein reines Zuschussgeschäft. Zurecht und berechtigt. Von mir aus sollen Künstler eine staatliche Grundunterstützung beantragen können. Das wäre zumindest sehr viel verständlicher als ähnliche Forderungen der Zeitungsindustrie. Doch der mit wenig Arbeit erfolgreiche, in Saus und Braus lebende Künstler ist ein Imagephänomen der Neuzeit, das so überhaupt erst durch die Popkultur und deren Industrie möglich wurde.

Ich bin davon überzeugt, dass überlege, ob es Kunst nicht sogar ganz gut tut, wenn sie sich mit einer breiteren eigenen Basis abfinden muss. Zwangsregulieren lässt sich das nicht, aber freie(re) Lizenzmodelle werden von immer mehr Künstlern genutzt. Auch ohne auf ihr Urheberrecht zu verzichten, lassen viele ihre Arbeiten frei vervielfältigen und verbreiten. Geld verdienen sie mit Leitungen die sich nicht kopieren lassen oder die niemand kopieren will. Gut vorstellbar, dass sich hier ein paralleler Markt entwickelt, während ein veralteter Teil der Kulturindustrie um die Reste ihres Geschäftsmodells kämpft.

Pic: cliff1066™ (CC BY 2.0)